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"Herdprämie" ist Unwort des Jahres 2007

am . Veröffentlicht in Dies und Das

Frankfurt am Main. Die Entscheidung ist gefallen. Die Jury um den Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser gab soeben bekannt, dass "Herdprämie" das Unwort des Jahres 2007 ist. Das Wort diffamiere Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen. Inzwischen gebe es ein ganzes Wortfeld, das die Diffamierungabsicht ebenfalls deutlich werden lässt. Dazu gehören u.a. die Varianten "Aufzuchtprämie", "Gluckengehalt" und  "Schnapsgeld", teilte die Jury mit.

Die "Herdprämie" verwies damit die Worte "klimaneutral" und "entartet" auf die Plätze 2 und 3. Bei klimaneutral kritisierte die Jury den Versuch, mit diesem Begriff für eine Ausweitung des Flugverkehrs oder eine Steigerung anderer CO2-haltiger Techniken zu werben, ohne dass dabei deutlich wird, wie diese Klimabelastungen "neutralisiert" werden sollen.

Den dritten Platz nahm eine Formulierung von Kardinal Meisner (Köln) ein, wonach Kunst und Kultur "entartet", wenn sie ihre religiöse Bindung verliert. "Entartete Kunst" war ein NS-Schlüsselbegriff, mit dem missliebige Künstler und ihre Werke diffamiert und "beseitigt" wurden.

Bei der 17. Ausscheidung zum "Unwort des Jahres" hatte die Jury  969 verschiedene Vorschläge zur Auswahl, die von 1.760 Einsenderinnen und Einsender aus dem In- und Ausland eingesandt wurden. Die "Herdprämie" tritt die Nachfolge von "freiwillige Ausreise" an, dass zum Unwort des Jahres 2006 gewählt wurde.

Der Jury für das Unwort des Jahres 2007 gehörten an die vier ständigen Mitglieder Prof. Dr. Margot Heinemann (Leipzig), Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt), der Sprecher der Jury Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a.M.) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Düsseldorf). Die beiden Vertreter der Sprachpraxis waren diesmal die Journalisten und Autoren Hans Leyendecker (Süddeutsche Zeitung) und Sonia Mikich (Monitor/WDR).

(msu) 

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